On the road Tag 3
Wir befinden uns also auf dem Kieneck, in der ‘Enzianhütte’. Der zweite Tag hatte es, wie man im Artikel ‘On the road Tag 2‘ nachlesen kann, wirklich in sich. Eine extreme Bergwertung am Nachmittag wurde von uns absolviert.
Am Frühstückstisch trafen wir dann auch ein Wiener Paar, dass auch gestern Abend in die ‘Enzianhütte’ eingekehrt ist. Wie sich herausstellte haben die Zwei (geschätztes Alter – Ende 30) eine andere Route eingeschlagen. Sie hatten schon vor 6 Jahren begonnen, den Weg von Wien nach Maria Zell zu gehen, mussten aber aufgrund von Blasen damals in Nöstach aufgeben. Jetzt wollen sie es schaffen. Wie wir.
Der dritte Tag unserer Reise – mittlerweile ist schon Donnerstag (26. August 2010) – sollte uns auf die höchste Stelle der Wanderroute, den Unterberg bringen. Zum Glück hatten wir diese Etappe gleich am Vormittag. Die Erfahrung der letzten beiden Tage hat gezeigt, dass die Bergetappen vormittags leichter zu bewältigen sind. Naja. Leider richtet sich die Route nicht (immer) nach unseren Wünschen.
Ich versuchte diesmal wirklich die Natur und die Aussicht auf dem Weg zum Unterberg zu genießen, schliesslich kommt man ja nicht allzuoft in diese Gegend. Sonne. Wind. Berge.Wald. Ich blieb stehen. Der Wind pfeifft um mein Gesicht, die hohen Gräser (ver)beugen sich förmlich von mir. Herrlich. Dieser Ausblick. Man könnte ja fast meinen dass ich hier irgendwo in Kärnten bin.
Der Aufstieg auf den Unterberg war im Vergleich zur ‘Kieneckbegehung’ eine Kinderjause. Nein. Watte-pusten, Nonnen-hockey. Das steilste Stück war nicht so (ewig) lang und durch die besseren Bedingungen (ausgeschlafen, gestärkt vom Frühstück) konnten wir diese Strecke auch relativ schnell hinter uns bringen.
Wir passierten das Bettlerkreuz, dass in Gedenken an einen hier erfrorenen Bettler errichtet wurde und kämpften uns dann an den Skiliften des Unterbergs entlang, Richtung Schutzhütte ‘Unterberg’. Pünktlich zur Mittagszeit sind wir bei der Hütte angekommen. Strom. Das IPhone braucht Saft und ich einen Almdudler. Gespritzt auf einen halben Liter. Hunger.
Es war ein herrlicher Tag, Sonnenschein, wenige Wolken am Himmel und wir hatten einen tollen Ausblick auf die restliche ‘Bergregion’. Wenn mich nicht alles täuscht, dürften wir unter anderem den Schneeberg und auch die Rax erblickt haben.
Endlich konnte ich auch meine – noch – nassen Sachen vom ersten Tag in der Sonne trocknen lassen. Wir stärkten uns mit Weisswürsten und Schweinsbraten. Die Aussicht war so herrlich, dass ich mir durchaus hätte vorstellen können, den einen oder anderen Tag nur auf dieser Hütte zu verbringen. Das sollte unbedingt auf den Scope of work für das nächste Jahr gesetzt werden.
Weiter gehts Burschen. Nachdem ich das Zimmer in der ‘Kalten Kuchl’ schon am Vormittag reserviert hatte, waren wir was das Quartier betrifft etwas entspannter.
Als wir die Ortstafel Rohr im Gebirge passierten, ereilte uns eine Kontaktaufnahme aus Wien. Hoher Besuch kündigt sich an. Andi kommt uns mit dem Motorrad besuchen. Tja, das dürfte dann wohl ein längerer Abend und eine sehr kurze Nacht werden.
Wenige km vorm Ziel haben wir das Wiener Paar eingeholt, angeblich haben sie sich vergangen. Das hätt’ wohl jeder gesagt. Schon komisch, das ist mir auf diesem Weg des öfteren aufgefallen, dass da so ein (eigener) Konkurrenzkampf unter den unterschiedlichen ‘Gehern’ herrsch. Jeder will besser, schneller sein.
Bei einem etwas rutschigen Anstieg, meine die Wienerin, dass sie da eine junge Kröte gesehen habe. “Ja, wo ist sie denn? Mei..”
Kann die ‘Krötenfrau’ nicht einfach den Mund halten, ich will diesen Anstieg einfach nur in Ruhe bewältigen… Nein, ich bekam quasi noch eine Fauna & Flora Nachhilfestunde. Gratis. Von einer ehemaligen Bokustudentin. Das nach einem Tag, als ich sogar wieder meine Schuhe wechseln musste. Raus aus den sonst so kamoten Adidas und rein in die Trekking Schuhe. Scheinbar waren die Trekking Schuhe jetzt eingegangen. Besser. Viel Besser.
Krötenfrau. Übrigens hab’ ich bis zu diesem Tag wohl 8 tote und eine lebende Kröte gesehen. Das Mitzählen der Schmetterlinge ist mir dann irgendwann zu anstrengend geworden. Derzeit halten wir wohl bei geschätzten 14 Schmetterlingen und einer Blindschleiche. Für alle Scherzkekse: Damit bin nicht ich gemeint.
Als der Anstieg dann geschafft war, entledigte sich die Krötenfrau ihrer Wanderschuhe, keine Ahnung, entweder hatte sie Angst eine Kröte zu ertreten, oder ihr haben die Schuhe zu sehr weh getan. SSKM. Kommt davon, wenn man keine Ersatzschuhe mitnimmt. Learning #2: Immer Ersatzschuhe mitnehmen. Learning #1: Nie ein Zelt und 1 1/2kg Inzersdorfer Gulaschdosen mitnehmen.
Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr Whhhhhhhhhhh…
Motorräder, der Lärm der Motorräder, die sich alle brav an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten (sic!) kommt immer näher. Endlich. Man sieht den Gasthof ‘Kalte Kuchl’. Bald ist es geschafft. Wenige Minuten trennen uns noch von unserem Quartier. Bier.
Das war das erste Wort der Burschen, als wir in der ‘Kalten Kuchl’ ankamen. Duschen. Hirschtalgsalbe. Das waren meine Gedanken. Gesagt. Getan.
Gut, das Tolle aufjustieren hat, wie üblich, länger gedauert als der eigentliche Duschvorgang. Bad-hair-day.
25 Minuten später.
Mit neuer Energie und dem ‘ELL-Shirt’ machte ich mich also auf den Weg zu den Burschen, um das eine oder andere Bier zu trinken. Andi war auch schon da und als ich 4 (in Worten: vier) leere Biergläser vor Peter stehen sah, war klar, der geht heut nicht mehr duschen. Halli-Galli-Drecksau-Party.
Ob Peter wirklich duschen war, was es mit Gscheidmeiern und Gamsbart-Kommunisten auf sich hat, wird im nächsten Artikel verraten…
Fortsetzung folgt…
Die Strecke:
Vom Kieneck über den Unterberg, durch Rohr im Gebirge zum Gasthof ‘Kalte Kuchl’. ~25km
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