On the road Tag 2
Wie man im Artikel ‘On the road Tag 1′ nachlesen kann, befinden wir uns also im ‘Grünen Baum’ in Nöstach. Nach dem ausgiebigen Frühstück haben wir unsere Rucksäche etwas leichter gemacht, jaja, dafür ist jetzt im Zimmer 8 kein Platz mehr, schliesslich stehen hier nun 3 Schlafsäcke, 3 Schlafmatten, 1 Zelt (inkl. Equipment) und diverse Gaskocherutensilien. Ordentlich gestappelt. Versteht sich natürlich von selbst.
Wir waren nun wieder topmotiviert, da die Rücksäcke kaum spürbar waren, dafür sollten dann aber noch einige andere Hürden auf uns zu kommen. Hürden? Nein. Berge! Eine ganze Hürde an Bergen.
So qausi zur Auflockerung sind wir nach Klein Maria Zell gegangen, da steht übrigens auch eine Basilika und der Kirchenwirt ist biertechnisch sehr zu empfehlen. Obwohl wir wussten, dass am Nachmittag noch die schwierigste Teilstrecke auf uns zukommen wird, haben wir hier eine kleine Zwischenpause eingelegt. Bierverkostung. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Auf den nächsten Wald- und Wegkilometern hat sich dann doch herausgestellt, dass meine neueren Trekking-Schuhe nicht wirklich eingegangen sind. Die ersten Blasen und brennende Füsse machten sich bemerkbar. Bei jedem Schritt ein Schmerz. Das Mittagsziel Kaumberg war noch in weiter ferne, wir gingen eine Landstraße entlang – die in Insiderkreisen wohl als kleine Rennstrecke durchgeht – und da hab’ ich mich dann nach einer Kurve einfach auf den Strassenrand gesetzt. Ich war so ko. Ich glaubte, keinen Schritt mehr weiter gehen zu können, mit diesen Schuhen. Ich merkte wie mir langsam Tränen aufstiegen, das erste Mal der Gedanke an Aufgabe. Ein kurzer Blick ins Leere. Schua(h)li und Peter waren auch sichtlich gezeichnet. Peter wirkte fast ein wenig hilflos. Flachmann. Ein Schluck Schnaps. Der Gedanke an die Kerze in meinem Rucksack. Die Gedanken an meinen Kopf vor 6/7 Jahren. Da gab es auch kein Aufgeben.
Aufstehen. Weiter. Gehen.
Irgendwie konnte ich mich dann wieder aufraffen, das Mittagsziel Kaumberg schien ja nicht mehr allzuweit entfernt zu sein.
Als wir dann endlich in Kaumberg angekommen sind, standen wir vor verschlossen Türen. Am Land, gibts ja noch richtige (geschlossene) Mittagszeiten und einen Nachmittag im Monat, andem der Nah und Frisch nicht offen hat. Mittwochs.
Zum Glück gab es hier wenigstens einen Brunnen. Das Trinkflaschale (Kärntner Mundart für Trinkflasche) wurde wieder aufgefüllt. Raus aus den Schuhen. Die Füsse einmal mit Hirschtalgsalbe versorgen. Da fiel mir ein, dass ich ja noch meine Adidas Spezial im Rucksack hatte. Zum Glück hab’ ich die nicht in Nöstach zurückgelassen. Schuhe wechseln. Gesagt. Getan.
Die noch viel anstrengendere Bergwertung musste jetzt also mit normalen Sportschuhen gegangen werden. Egal. Mit den Trekkingschuhen konnte ich keinen Meter mehr gehen. Die Araburg war die erste Station, nach 1 1/2 Stunden Übung fürs Kieneck sind wir bei der Araburg angekommen. Kurze Trinkpause für die noch bevorstehenden 8km.
Gegen 16:45 sind wir dann von der Araburg wieder aufgebrochen, irgendwo am Horizont befand sich das Kieneck in 8km Entfernung. Gefühlte 27 ‘Vorberge’ mussten bewältigt werden, bevor der härteste und höchste Anstieg dieser Etappe bewältigt werden wollte. Irgendwann stand ich in einem Jungtannenwald, alleine, Schua(h)li und Peter waren weit vor mir. Es hatte was von Weihnachten, aber nur kurz. Sehr kurz. Nach weiteren 2h Gehzeit machte sich mein Körper und meine mentale Verfassung abermals bemerkbar. Ich konnte nicht mehr, keiner konnte mir sagen, wann wir endlich wenigsten am richtigen Fuss des Berges Kienecks sind.
Endlich. ‘Nur’ mehr der Kieneck vor uns. Angeblich ein steiler Aufstieg, bis zur nächsten Lichtung, dann kommen die Serpentinen, da gehen wir 2-3, dann ist die Hütte schon da. Keine Ahnung wie oft ich das gehört habe. Irgendwann hab’ ich aufgehört an Lichtungen und Serpentinen zu glauben. Verzweiflung. Der Gedanke ans Aufgeben manifestierte sich förmlich in mir. Nur noch diesen Berg und nächsten Tag abbrechen. Aufgeben.
Als uns dann irgendwann ein Wegweiser weitere 40 Minuten bis zur Hütte voraussagte, konnte das keiner von uns glauben. Zu oft haben uns die Stundenangaben an diesen 2 Tagen schon getäuscht. Keine Ahnung wer die für wen aufgeschrieben hat. Unmöglich, die Strecken in diesen Zeiten zu schaffen. Es war rutschig, nass, schmal, steil, jederzeit abrutschende Baumstämme lagen am kleinen Pfad im Weg. Gefährlich. Ich mit meinen Turnschuhen, ein paar Mal bin ich wirklich blöd gerutscht, da war kein Gedanke mehr an Aufgabe, an stehen bleiben. Pure Konzentration. Die Sonne ging auch immer mehr und mehr unter. Wir müssen die Hütte noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen. Druck.
Viel. Zuviel.
Vor lauter Verzweiflung schmeiss ich meine Wanderstecken weg. Wut. Trauer. Aufgabe. Tränen. Zigarette. Sitzen. Kurze Pause. Eine von vielen auf dieser ewig dauerenden steilen Strecke. Dieser Wutausbrauch hat Energien freigesetzt. Irgendwie habe ich die Wanderstecken wieder aufgehoben und bin weiter gegangen. Schritt für Schritt. Einfach gegangen.
Es wird immer dunkler und von Serpentinen und dem Ziel ist eigentlich nichts zu sehen, als auf einmal Schua(h)li schreit, dass wir es geschafft hätten. Ich war Meter hinter ihm, wusste, dass das jetzt kein Scherz ist, da meine Verfassung wirklich schlecht war. Tatsächlich.
Mit dem Einbruch der Dunkelheit sahen wir die Hütte ein paar Meter vor uns. 20:30. Die Hütte, endlich erreicht.
Ich war schon lange nicht mehr so glücklich. Die Dusche. Das Essen. Energie. Ein kühler Radler. Fein.
So ging ich dann als erster von uns Dreien ins Bett, Viererzimmer mit Stockbetten. Es hatte ja echt was von Schulskiausflug. Peter setzt sich zu mir ans Bett und erzählt noch leicht alkoholgeschwängert einen Witz. Passend. Als die zwei noch für ein, zwei, drei… Zigaretten auf den Balkon verschwinden, kullern mir noch einmal ein paar Tränen runter. Diesmal vor Glück. Geschafft. An Aufgabe hab’ ich jetzt nicht mehr gedacht.
Im nächsten Artikel werden wir dann die ‘Krötenfrau’ kennenlernen und (hohen) Besuch aus Wien bekommen.
Fortsetzung folgt…
Die Strecke:
Start in Nöstach, gegen 9:20. Schöne Etappe nach Klein Maria Zell inkl. kurzer Pause (10:50 – 11:20) beim Kirchenwirt. Marsch bis Kaumberg. Kurze Mittagspause beim Brunnen von 14:30 – 15:00. Ankunft bei der Araburg um 16:20. Abmarsch Richtung Kieneck um 16:45, Ankunft in der ‘Enzianhütte’ am Kieneck um 20:30. 31km
Weitere Beiträge, die dich interessieren könnten:





September 2nd, 2010 at 16:21
[...] Kieneck, in der ‘Enzianhütte’. Der zweite Tag hatte es, wie man im Artikel ‘On the road Tag 2‘ nachlesen kann, wirklich in sich. Eine extreme Bergwertung am Nachmittag wurde von uns [...]